Kapitel 2: Von der Entstehung des Deutschen Reiches bis zum Ende der Stauferzeit 1254
//Штауфены=династия германских королей и императоров Рим Империи в 1138-1254
Die Entstehung des Deutschen Reiches
Seit dem frühen 10. Jahrhundert kann man von einem Deutschen Reich sprechen. Seine Entstehung hatte sich bis dahin über einen längeren Zeitraum vollzogen. Das Königsreich, das man seit dem 11. Jahrhundert “Reich der deutschen“ zu nennen begann, hiess damals noch “Ostfrankreich“. Es hiess nicht deshalb so, weil es nur von Franken bewohn gewesen wäre, sondern weil es aus dem Frankreich hervorgegangen war. Ludwig der Deutschen herrschte als König über die Bayern, Schwaben, Rhein- und Mainfranken, Thüringer und Sachsen. Schon den Zeitgenossen war bewusst, dass die Bewohner von Ludwigs Ostfrankreichs sich von denen im Reich seines Bruders Karls des Kahlens (König der Westfranken) durch ihre Sprache unterschieden. Der grösste Teil des Gebietes, das sie bewohnten, hatte nicht zum Römischen reich gehört, und das Lateinische war dort nicht wie im Westen Grundlage der Landessprache geworden.
Das Reich Kars des Deutschen wurde entsprechend fränkischen Teilungsbrauch unter seine Söhne in drei Königsreiche aufgeteilt, so wie es dann später, als es keine anderen erbberechtigten Nachkommen gab, in König Ludwig dem Kind wieder einen einzigen König hatte. Im Jahre 911 starb nun auch er, ohne Söhne zu hinterlassen. Nur im Westfrankreich gab es noch einen König aus dem Geschlecht Karls des Grossen. Die ostfränkische Stämme entschieden sich gegen den westfränkischen Karolinger und damit für die Eigenständigkeit ihres reiches gegenüber dem Westen: Sie wählten Konrad, den Herzog der Franken, zum König. König Heinrich I. (919-936), der Nachfolger König Konrads, hatte bei seinem Tode mehrere regierungsfähige Söhne. Aber nur älteste Sohn, - Otto, wurde König. Der fränkische Brauch, das Reich unter die Königssöhne aufzuteilen, wurde also nicht mehr befolgt. Mit Regierungsantritt Ottos I. war erwiesen, dass die Gebiete, die zusammenfassend Ostfrankenreich genannt hatte, im Innern und nach aussen eine Einheit darstellen.
Stammesherzogtümer
Bei dem Festmahl, das die feierliche Königskrönung Ottos I. 936 in Aachen beschloss, waren für alle sichtbar vier Männer aus der Menge der anwesenden geistlichen und weltlichen Grossen herausgehoben: die Herzöge der Lothringer, der Franken, der Schwaben (Alemannen) und der Bayern. Sie waren die symbolische Ehrendienste beim Krönungsmahl als Kämmerer (казначей), Truchsess (Vorstand der Kaiser. Hofhaltung), Mundschenk (?) und Marschall; dadurch wurde gezeigt, dass die vier Herzöge die nächsten beim König waren.
Schon bei den beiden vorangegangenen Königswählen waren die Herzöge als Handelnde in Erscheinung getreten: Konrad I. war im Jahre 911 von Franken, Sachsen, Alemannen und Bayern gewählt worden.
Das ältere Stammesherzogtum (ducatus) war der Amtsbereich eines vom König eingesetzten “dux“ (Heerführer). In den ostrheinischen Gebieten bildeten die von Franken unterworfenen Völkerschaften (Bayern, Alemannen und Thüringer) die Gründlage für die Abgrenzung eines Dukats. Es war Erfolg der Zentralgewalt, die Herzöge als Zwischeninstanzen im 8. Jahrhundert wieder beseitigen zu können.
Ottonen
Das frühere Mittelalter kannte keine Familiennamen. Um die familienmässige Zusammengehörigkeit von Personen erkennbar zu machen, hat die neuzeitliche Geschichtsschreibung aus familientypischen “Leitnamen“ Geschlechternamen konstruiert. Der Sachsenkönig Heinrich, der im Jahre 919 ostfränkisch-deutscher König wurde, war der erste “Ottonen“ auf dem Königsthron. Der Geschlechtername ist von Heinrichs Sohn und Nachfolger Otto I. (936-973) und von dessen gleichnamigem Sohn Otto II (973-983) und Enkel Otto III (983-1002) abgeleitet. Bei Ottos III. Kinderlosem Tode folgte mit Heinrich II. sein nächster männlicher Verwandter als König. Mit ihm erlosch das sächsische Königsgeschlecht der Ottonen im Jahre 1024.
Der bedeutendste Ottonennherrscher war Otto I. Der Grosse. Er begründete die Tradition der Verbindung von ostfränkisch-deutscher Königswürde und Kaisertum. Als Krönungsort wählte er Aachen und am Ende der Krönungszeremonie nahm er Platz auf dem steinernen Thron Karls des Grossen, so dass er sich unmittelbar in der Nachfolge Karls des Grossen sah. Dazu gehörte auch die Eroberung des langobardisch-italischen Reiches, die Otto im Jahre 951 mit der Königskrönung in Pavia abschloss. Sein grosser Ungarnsieg in der Schlacht auf dem Lechfeld erwies Otto I. als fähiger Verteidiger der lateinischen Christenheit. So war die Kaiserkrönung, die Papst Johannes XII. Am 2. Februar 962 in Rom vollzog, in Ottos herrscherlichem Selbstverständnis und in seiner Politik lange vorbereitet. Wie Karl der Grosse sah auch Otto der Grosse die Heidenmission als Aufgabe des christlichen Kaisers an. Nach vielen Mühen und Rückschlagen erreichte er 968 die Gründung eines Erzbistums in Magdeburg, das als Missionserzbistum in die slavischen Gebiete hineinwirken sollte.
Otto des Grossen Sohn Otto II. führte im wesentlichen die von seinem Vater vorgezeichnete Linie der Politik weiter. Otto III. aber wollte anderes und mehr: Erfühlt von einer schwärmerischen (мечтательный) Begeisterung für die römische Antike, wollte er die Stadt Rom wieder zum Zentrum der Welt machen, Rom als Sitz von Papst und Kaiser, als Mittelpunkt von Christentum und Weltherrschaft, zu unvergleichlicher Grösse führen. Damit ist Otto III. gescheitert. Sein Nachfolger Heinrich II. verlegte den Schwerpunkt seiner Herrschaft wieder in den ostfränkisch-deutschen Bereich nördlich der Alpen, kehrte in die Bahnen Ottos I. zurück.
Wikinger/Normannen
Wikinger bedeutet ”Männer auf grosser Fahrt”; Normannen bezeichnet die gleichen Leute als sie, die aus Norden kommen. Beidesmal sind Norweger, Dänen und Schweden gemeint, und zwar dann, wenn sie ausserhalb ihrer Heimat Skandinavien in Erscheinung treten. Das wikingische Zeitalter der Beute-, Handels-, und Eroberungsfahrten reicht vom Ende 8. bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts. Die Wikinger waren Seekrieger. Die Seetüchtigkeit ihrer Schiffe machte für sie alle Küsten und Binnengewässer Europas und der den Nordatlantik begrenzenden Länder erreichbar. Die ersten Nachrichten von wikingischen Überfällen stammen aus England: im Jahre 793 wurde Kloster Lindisfarne an der nördlichen Ostküste Englands überfallen und ausgeplündert. In etwa der gleichen Zeit werden die ersten Wikingerüberfälle im Südwesten Englands gemeldet und wenig später in Irland und an der Atlantikküste des Frankreiches. Die Beute an Schätzen aus Edelmetall, an Sklaven und Lösegeld für Gefangene spornte (<поощрять) die Wikinger an, die anfänglich vereinzelten Raubüberfälle zu intensivieren: im 9. Jahrhundert schlugen Wikingerheere feste Standlager auf , um zu überwintern und die Länder systematisch nach Beute zu durchkämmen. Dann wurden die Lager zu Siedlungen ausgebaut; die Wikinger kamen als Einwanderer (переселенец), errichteten eigene Herrschaften im Osten und Norden Englands, in Irland, im Nordwesten des Frankreiches und erzwangen (>вынуждать) deren Anerkennung durch die einheimische Könige. Im Osten Europas, an den grossen Wasserwegen von Dnepr, Düna und Wolga gründeten schwedische Wikinger (Waräger) im 9. Jahrhundert in den slawischen Gebieten Herrschaftssitze. Aber es waren nicht nur die besiedelten Länder Europas, die wikingische Einwandern anlockten. Um 860 entstanden die ersten Wikingersiedlungen in Island, von dort aus gründeten sie um das Jahr 980 zwei Niederlassungen (поселение) in Grönland, die bis etwa 1500 bestanden, und von Grönland aus erreichten sie um das Jahr 1000 die Küsten Nordamerikas.
Die Schlacht auf dem Lechfeld
Am 10. August 955 kämpfte ein deutsches Heer unter König Otto I. gegen ein zahlenmässig Reiterheer der Ungarn auf dem Lechfeld südlich von Augsburg. König Otto hatte dem Tagesheiligen des 10. August, dem heiligen Laurentius, die Gründung eines Bistums in Merseburg gelobt, wenn Christus durch seine Fürbitte (просьба) den Sieg gewähren würde. Unter der Fahne des Erzengels Michael zog das nach Stämmen gegliederte deutsche Heer in die Schlacht. Der Sieg galt denn auch als ein Geschenk Gottes, zugleich aber als besondere Ruhmestat Ottos. Für das frühmittelalterliche Europa bedeutete der Sieg eine Wende: Das nomadische Reitervolk der Ungarn hatte seit der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts vom Balkan aus die Länder Europas in regelmässigen Beutezügen heimgesucht, die bis nach Frankreich, Norditalien und Byzanz führten. Besonders war das den Ungarn nächstgelegene ostfränkisch-deutsche reich den Überfällen ausgesetzt gewesen, bayerische und sächsische Heere waren vernichtet worden. Nach der Schlacht auf dem Lechfeld wurden die Ungarn an Theiss und mittlerer Donau sesshaft (>оседлый), öffneten ihr Land bald der römisch-christlichen Mission und gehörten seither zur Völkerfamilie der lateinischen Christenheit.
2.6. Reichskirche
Unter der “Reichskirche“ versteht man die Gesamtheit der Kirchen, die im früh- und hochmittelalterlichen deutschen Reich auf dem Grundbesitz des Königs als des Herrn des Reiches errichtet waren und seiner unmittelbaren Herrschaft unterstanden. Die Grundherrschaft stellt sich als ein Wechselverhältnis von Gabe und Gegengabe dar, in das auch die Kirchen eingebunden waren. Kirchen und Klöster dienten ihren Herren durch ihre wichtigste Gabe, durch ihre Gebete und Fürbitten, und wurden dafür mit Landbesitz ausgestattet, die im Obereigentum des Herrn blieben. Ein geistlicher und weltlicher Grosser, der auf seinem Grund und Boden eine Kirche errichtete, war der Herr dieser Kirche, sie war sein Eigen, über das er verfügen konnte. Entsprechend war auch der König Herr von Kirchen, nämlich von denjenigen Kirchen und Kloster, die auf Königs- bzw. Reichsgut errichtet waren.
Die zum Reich gehörenden Kirchen und Klöster schuldeten dem König ausser Gebeten und Fürbitten auch Panzerriter für das königliche Heer. Als “Gesalbter des Herrn“ galt er als Beauftragter (Stellvertreter) Gottes im christlichen Volk. Dadurch war er aus der Menge der Laien herausgehoben, galt den Kirchen als der ihnen bestellte Verteidiger von der Gefahren der Welt.
Italienpolitik
Die Italienpolitik der ostfränkisch-deutschen Herrscher traf in Italien auf die konkurrierenden Rechtsansprüche und Interessen anderer Mächte. Diese Politik knüpfte bewusst an das Vorbild der karolingischen Frankenkönigen an und hat von daher zwei Grundkomponenten: Zur Italienpolitik gehörte einmal die Beziehung zum Papstum. Otto I liess sich in Anknüpfung an das Vorbild Karls des Grossen im Jahre 962 zum Kaiser krönen. Seither galten die ostfränkisch-deutschen Könige als “Verteidiger der römischen Kirche“ und ihrer Weltlichen Besitzungen; ein Italienzug zur Kaiserkrönung nach Rom gehörte von da an zum festen Bestandteil deutscher Königspolitik. Die zweite Komponente deutscher Italienpolitik war die Eroberung des ehemaligen Langobardenreiches durch Otto I., auch dies in Nachahmung (подражение) Karls des Grossen. Seither war der deutscher König zugleich “König der Langobarden“, waren also “Reichsitalien“ und Deutsches Reich in Personalunion miteinander verbunden. Zu Reichsitalien gehörten vor allem die Gebiete nördlich des “Petrimonium Petri“ (=Kirchenstaat). Da aber der deutsche König als König der Langobarden beanspruchen konnte, König der südlich von Rom gelegenen langobardischen Fürstentümer zu sein, ergaben sich die Konflikte mit den Byzantinern, die Süditalien als ihren Einflussbereich betrachteten, und seit dem 11. Jahrhundert eroberten sie mit den Normannen die langobardischen Fürstertümer und Süditalien mit Sizilien zusammenschlossen. Im Jahre 1186 heiratete der deutsche König HeinrichVI. die Erbin des Königsreiches Sizilien. Mit Ausnahme des Kirchenstaates unterstand damit ganz Italien dem deutschen König. Die Vereinigung des grössten Teils von Italien in der Hand des deutschen Königs wurde 1254 durch den Tod des letzten Königs aus dem Geschlecht der Staufer beendet.
2.8. Salier
Als Heinrich II. im Jahre 1024 starb, erlosch (<погаснуть) das Königsgeschlecht der sächsischen Ottonen im Mannesstamm. Bei der Wahl des neuen Königs hielten sich die geistlichen und weltlichen Grossen des Reiches so nahe wie möglich an das altangestammte Königshaus: Sie wählten Konrad, den ältesten männlichen Verwandten des Ottonengeschlechts in weiblicher Abstammung. Konrad war Graf in der Gegend um Speyer und besass dort Familiengut.
Als König folgte Konrad II. den traditionellen Linien frühmittelalterlicher Königsherrschaft: Er suchte die königlichen Rechte und Besitzungen zu wahren, wurde 1027 in Rom gekrönt und zeigte sich als mildtätiger frommer König durch die Gründung des Speyerer Domes als Familiengrablege. Von den neuen Zeitströmungen einer ernsthafteren Frömmigkeit wurde erst sein Sohn Heinrich III. Erfasst, der ihm 1039 im Königtum folgte und zusammen mit seiner frommen Gemahlen Agnes die mächtig einsetzendes Bestrebungen der Kirchenreform förderte. Heinrich III. Starb im Alter von 39 Jahren im Jahre 1056; sein damals sechsjähriger Sohn Heinrich IV. Folgte ihm nach.
Im Verlaufe des Investiturstreits kam es zu einer Verbindung von Heinrichs kirchlichen Gegnern mit einer grossen innerdeutschen Adelopposition, die in Sachsen ihr Zentrum hatte. Heinrich IV. musste im Jahre 1077 den Bussgang nach Canossa antreten, um sein Königtum zu retten. Trotzdem wählten die deutschen Fürsten den Schwabenherzog Rudolf zum Gegenkönig, dem gegenüber allerdings Heinrich auf die Dauer die Oberhand (преимущество) gewinnen konnte. Es war dann nicht der Kampf mit der Kirche, sondern vielmehr ein Aufstand seines Sohnes Heinrich V., der ihn 1105 sein Königtum kostete. Heinrich V., der als verschlagener (хитрый) Taktiker geschildert wird, gelang es, den Investiturstreit durch das Wormser Konkordat von 1122 zu beenden. Mit seinem kinderlosen Tod im Jahre 1125 fand die Königsherrschaft der Salier ihr Ende.
2.9. Kirchenreform und Religiosität
Zunehmende Kritik an Misständen in der Kirche führte in der Mitte des 11. Jahrhundert zu einer Reformbewegung, die alle Länder Europas erfässte. Die Kritik richtete sich vor allem gegen die Verweltlichen des Klerus, der sich die Güter der Kirche aneinigte, ohne seinen geistlichen Pflichten nachzukommen.
Die Verbreitung der Reformvorstellungen in der römischen Kirche schlug sich in den Vorschriften der Synoden Leos IX. Und seiner Nachfolger nieder (<проявляться).